Gleisgeschichten: Pörtschachs ZUGängliche KUNSTgalerie
02. 04. 2025
Kunst nahe am Gleis: hereinspaziert in den denkmalgeschützten Bahnhof Pörtschach.
02. 04. 2025
Kunst nahe am Gleis: hereinspaziert in den denkmalgeschützten Bahnhof Pörtschach.
Es ist ein sich immer wieder erfüllendes Klischee: Der Bahnhof als Ort der Begegnung.
Im Fall von Pörtschach treffen die Ein- und Aussteigenden, die Hinbringenden und Abholenden auf Kunst. Und auf eine jener vier Frauen, die die seit 2019 am Bahnhof beheimatete Galerie „ZUGänglicheKUNST“ abwechselnd betreuen: Obfrau Carolyn Köfler, Christa Berg, Karin Kanatschnig und Elisabeth „Daisy“ Plank.
Letztere ist Initiatorin und künstlerische Leiterin der Galerie.
Für den Abschluss ihres Kunst- und Kulturmanagementstudiums war sie im Jahr 2017 auf der Suche nach einem Ausstellungsraum für eine Pop-Up-Galerie. „Da habe ich zufällig bei den ÖBB angeklopft“ erzählt die Wahl-Kärntnerin. Nach einer umbaubedingten Pause gibt es an dem 1864 eröffneten Bahnhof nun fünf große Einzelausstellungen pro Jahr – hinzu kommen Lesungen, Konzerte, Workshops und andere Events, etwa an Weihnachten und Ostern.
Der Name der Galerie – „ZUGänglicheKUNST“ ist Programm: „Wir wollen kunstaffine wie kunstferne Menschen begeistern und versuchen das Zentrum des kulturellen Lebens in Pörtschach zu sein“, erzählt Daisy. Involvieren macht das möglich, und das von Anfang an. So sind Logo und Name der Galerie eine Kreation der Schüler:innen der CHS Villach, ein „Centrum Humanberuflicher Schulen“.
Viele landen zufällig in der Galerie, weil sie ihren Zug versäumt haben oder das Taxi länger braucht, manche kommen bewusst auf ein Plauscherl oder gezielt zu einem Event.
Auf einen „Farbentanz“ schauen Arthur, Alma, Christopher, Jana und Luna im Rahmen ihrer „Seekids“-Ferienbetreuung vorbei. Bei diesem Malprogramm betreut werden sie von den ZUGänglicheKUNST-Vereinsmitgliedern Karin Kanatschnig und Gertraud Warmuth. „Wir haben beide in unseren früheren Berufen mit Kindern gearbeitet. Jetzt sind wir in Pension und es ist wunderbar, die jungen Menschen kreativ zu begleiten“, erzählen die beiden Damen, die sich seit 55 Jahren kennen.
Stolz blicken Karin und Gertraud auf die entstandenen Werke: „Diese Zeichnungen sind Denkmäler, die sich die Kinder setzen.“ Verkauft werden die im Freien gemalten Werke der Kids freilich nicht, sehr wohl aber die Bilder im Inneren der Galerie.
Daisy mit ihrem Lieblingsbild der Künstlerin Savina Capecci
Als Käufer:innen schlagen bisher ausschließlich Touristen zu, obwohl die Preise moderat sind. „Die meisten Kunstwerke kosten unter 2.000 Euro, der bisherige Rekord war ein Bild um 4.500 Euro. Das hat ein deutsches Ehepaar erstanden, die zufällig mit dem Rad vorbei gefahren sind. Seitdem halten sie uns die Treue und schauen immer wieder vorbei“, so Daisy, die nicht nur Gesicht und Stimme der Galerie ist, sondern auch Auskunftsperson und Anlaufstelle für Zugauskünfte, Ticketkaufhilfe am Automaten & WC-Notgroschenspenderin. „Wir passen halt gegenseitig aufeinander auf – der Bahnhof auf uns und wir auf den Bahnhof.“ Details wie der Schalter, die Gepäckabgabe und der Tresor sind geblieben: „Wir wollen eben zeigen und erlebbar machen, wo wir sind!“, findet Daisy.
Verbringt man einige Zeit in der Galerie so hört man so manches „Oh, na das hätte ich mir jetzt aber nicht erwartet!“ Die Überraschung, inmitten eines altehrwürdigen Bahnhofs auf (moderne) Kunst zu treffen, ist eben nicht nur bei den zum Pink Lake Festival anreisenden Partypeople groß. Aber immer wieder schön! Und wann schaust du in Pörtschach vorbei?